{"id":613,"date":"2019-12-09T12:09:17","date_gmt":"2019-12-09T10:09:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.poeziedemama.com\/?p=613"},"modified":"2019-12-09T12:09:17","modified_gmt":"2019-12-09T10:09:17","slug":"spalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.poeziedemama.com\/?p=613","title":{"rendered":"spalten"},"content":{"rendered":"\n<p>sp\u00e4therbst in t\u00fcbingen<br \/><br \/><em>hier<\/em> wird viel gesprochen<br \/><em>da<\/em> f\u00e4ngt ein kind zu reden an<br \/>mit den h\u00e4nden<br \/>und mit dem kopf der mutter<\/p>\n\n\n\n<p>alle dinge sollen benannt werden<br \/>ein baum ein bach ein bauch mein hauch<\/p>\n\n\n\n<p>pl\u00f6tzlich <em>da<\/em> wird viel geschwiegen<br \/>und <em>hier <\/em>viel gesprochen viel viel<br \/>obwohl damals die dichterin sagte<br \/>in der stille verliert sich das wort<\/p>\n\n\n\n<p>alles benannt<br \/>buchstabiert<br \/>angek\u00fcndigt<\/p>\n\n\n\n<p>gespalten<\/p>\n\n\n\n<p>nichts ist zuf\u00e4llig<br \/>selbst der mensch<br \/>wie ein komma zwischen den spalten<br \/><em>da<\/em> sind die dinge nicht benannt<br \/>nur angek\u00fcndigt<br \/>und <em>hier <\/em>musste ich viel schweigen <br \/>w\u00e4hrend meines sprechens<br \/>und ich schwieg und schwieg<br \/>und ich schwieg weiter<br \/>sieben jahre schwieg ich <br \/>selbst wie ein komma zwischen den spalten<br \/>zwischen <em>hier<\/em> und <em>da<\/em><br \/>den spalten meines lebens<\/p>\n\n\n\n<p><em>da<\/em> bei uns in dem bergdorf<br \/>so hei\u00dft\u00a0 es \u2013 soll man reden<br \/>wenn nichts besseres zu tun ist<br \/>meistens wird gesprochen<br \/>wenn man alleine ist<br \/>dann begleiten die worte die menschen<br \/>wie die schatten den leib<br \/>man redet <strong>mit<\/strong> den worten und <strong>\u00fcber<\/strong> <br \/>die worte der anderen<\/p>\n\n\n\n<p><em>hier<\/em> habe ich gelernt<br \/>fragen zu stellen<br \/><em>dort<\/em> hatte ich keine zeit<br \/>zeit war nur zum arbeiten<br \/>wenn man arbeitet hat man keine zeit <br \/>fragen zu stellen<br \/>auf dem felde bis sp\u00e4tabends <br \/>wenn wir nach hause kamen <br \/>hatte man keinen lust mehr<br \/>fragen zu stellen<br \/>ich war zu m\u00fcde <br \/>zu traurig und es war zu dunkel<br \/>um fragen zu stellen<br \/>alle waren weg<br \/>worte fragen licht<br \/>nachttraurig war ich<br \/>was bringen dir die fragen<br \/>wozu weinst du<br \/>bringen deine fragen uns essen\u00a0 <br \/>die dinge \u00fcber die du nachfragst existieren doch<br \/>ohne nach ihnen zu fragen<br \/>ein baum ist ein baum und wird ein baum sein<br \/>egal ob wir fragen stellen oder nicht<br \/>ohne fragen zu stellen konnten wir doch leben<br \/>aber ohne arbeit nicht<\/p>\n\n\n\n<p>so sagte mir meine mutter\ndamals <\/p>\n\n\n\n<p>spalten<br \/>zwischen da und hier<br \/>zwischen fragen und arbeit<br \/>zwischen <em>ich<\/em> und <em>eu<\/em><br \/>zwischen deutschem alter ego <br \/>und rum\u00e4nischem<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>sp\u00e4therbst in t\u00fcbingen hier wird viel gesprochenda f\u00e4ngt ein kind zu reden anmit den h\u00e4ndenund mit dem kopf der mutter alle dinge sollen benannt werdenein baum ein bach ein bauch mein hauch pl\u00f6tzlich da wird viel geschwiegenund hier viel gesprochen viel vielobwohl damals die dichterin sagtein der stille verliert sich das wort alles benanntbuchstabiertangek\u00fcndigt 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