MY BOOKS

distopia. impromptu um schön verrückt zu werden

NEW CONDRAT 01Der dystopische Blick, der die Wirklichkeit spaltet, kommt aus einem Land, wo es oft nichts anderes zu essen gab, als Illusionen, verdeckte und verkleidete Illusionen. Und das, was für die Eltern als normal galt, war für die Kinder, verwirrend: Pendeln zwischen zwei Welten, die sie nicht vermischen durften. Gut sollten die Kinder sie unterscheiden können, immer darauf achten, mit wem sie redeten. So ist Stück für Stück eine dystopische Welt entstanden, wie ein Puzzle, das kein Ende hat. Dadurch sind in den Kinderherzen zwei Welten herangewachsen: eine äußere, die disharmonisch, diskrepant, zerstückelt, eintönig, monoton wie die Parteiuniformen wirkte, und eine innere, die voller Träume, Sehnsucht, Liebe und Leidenschaft war. Die Entfernung zwischen beiden wurde Tag für Tag, Jahr für Jahr länger, ermüdender und demütigender.

Die postkommunistische Generation, zu der ich gehöre, ist die Generation, die verstanden hat, dass demokratisch Denken heißt, frei zu handeln, um frei zu werden, sich vom kommunistischen Denken Stück für Stück zu befreien und nicht nur antikommunistisch zu denken, um demokratisch zu sein. An unseren Schulen, im Geschichtsunterricht, war lange umstritten, ob es eigentlich eine Revolution oder ein Staatsumsturz war. Ich musste raus aus meinem Land, damit ich diese Denkweise verstehen konnte, damit ich sehen konnte, dass ich ein Stück behindert und disfunktionell in der neuen Welt war. In diesem neu gefundenen Land musste ich mich zwischen zwei Sprachen spalten, desillusionieren, entfremden, entzaubern, dystopisch leben.

die Autorin

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *